Bio oder nicht Bio? 5 wichtige Punkte zur Entscheidungshilfe

Bio ist in, und das nicht erst seit gestern. Mittlerweile hat ja auch der kleinste Supermarkt eine eigene Bio-Ecke. Seit der Bio-Trend zum Milliardengeschäft geworden ist, wollen alle ein Stück vom Kuchen abhaben, ob groß oder klein.

Der Verbraucher hat natürlich erst einmal den Vorteil, einfacher an Bio-Produkte heranzukommen. Aber ist der Kauf von Bio-Ware auch immer die bessere Wahl?

1. Gesundheit

“Bio = gesund” heißt es ja oft pauschal. Natürlich werden Bio-Produkte unter weitestgehendem Verzicht auf chemische Zusatzstofe angebaut bzw. verarbeitet. Insofern diese Aussage sicher nicht falsch. Aber man sollte nicht im Umkehrschluss “Nicht Bio = ungesund” daraus folgern.

Zum einen können auch Biobauern nicht verhindern, dass über Luft, Wasser und Erde Schadstoffe in die Produkte gelangen. Der Verzicht auf künstliche Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel vermindert zwar die Belastung, aber eine hundertprozentige Schadstofffreiheit dürfte ein Wunschtraum bleiben.

Andererseits kann man sich natürlich auch mit Bio-Produkten ungesund enähren. Welche Mahlzeit ist wohl gesünder? 100 g Bio-Schokolade und 200 g Bio-Kartoffelchips mit 3 Flaschen Bio-Bier oder ein großer Salat aus konventionellen Produkten mit Mineralwasser?

Der Faktor Schadstoffbelastung spielt meiner Meinung nach eine eher untergeordnete Rolle bei ernährungsbedingten Gesundheitsbeinträchtigungen.

2. Umwelt

Selbstverständlich wird durch den Anbau von Bio-Produkten die Umwelt weniger belastet als bei konventioneller Landwirtschaft. Aber eine seriöse Umweltbilanz muss immer auch die Transportwege berücksichtigen. Was belastet die Umwelt mehr: Konventionell angebaute Äpfel vom aus der Region vom Wochenmarkt oder Bio-Äpfel, die aus Argentinien eingeflogen werden?

3. Ethik

Der Kauf von Bio-Produkten verleiht natürlich das Gefühl, ewas Gutes für die Umwelt getan zu haben. Die Beruhigung des eigenen Umwelt-Gewissens spielt also sicher auch eine Rolle. Doch angesichts der oben angesprochenen Transportproblematik ist es nicht immer leicht zu erkennen, wie “gut” in diesem Sinne bestimmtes Produkt überhaupt ist.

Beim Bio-Fleisch ist für mich die Sache allerdings eindeutig. Der Verzicht auf Masssentierhaltung und die damit verbundene bessere Lebensqualität der Tiere sind der konventionellen Landwirtschaft in ethischer Hinsicht deutlich überlegen, auch wenn es dort mittlerweile einige positive Ansätze gibt.

4. Qualität

Leider heißt “Bio” nicht automatisch “bessere Qualität als konventionell”. Selbst bei Rohprodukten wie Obst, Gemüse oder Fleisch ist oft kein geschmacklicher Unterschied zu spüren. Sonnengereifte sizilianische Eiertomaten aus konventionellem Anbau schmecken mit zum Beispiel deutlich besser als holländische Bio-Tomaten aus dem Treibhaus.

Auch beim Bio-Fleisch ist die Qualitätsfrage nicht immer so eindeutig. Fleisch aus konventioneller Tierhaltung muss nicht notwendigerweise wabbelig, blass und geschmacklos sein. Selbst im Supermarkt habe ich schon konventionelles Fleisch in hervorragender Qualität kaufen können.

Bei verarbeiteten Produkten stellt sich die Qualitätsfrage noch deutlicher. Neben der Qualität der Rohprodukte ist hier auch die Qualität der Produktion selbst von entscheidender Bedeutung. Die Güte der Rezepturen und das Know-How der Herstellung spielen eine entscheidende Rolle für das Endprodukt.

Beispielsweise habe ich noch kein Bio-Bier gefunden, das mich restlos überzeugt hat. Auch beim Käse gibt es bei vielen Bio-Produzenten noch Spielraum nach oben. Gerade bei traditionellen Produkten, die sich teils über Jahrhunderte bewährt haben, ist es nicht leicht, qualitativ besser zu sein. Einfach nur auf das Zauberwort “Bio” zu setzen, reicht definitiv nicht.

5. Preis

Verständlicherweise sind Bio-Produkte in der Regel teurer als konventionell hergestellte. Manchmal hält sich der Preisunterschied in Grenzen, manchmal ist Bio-Ware sogar billiger. Vor allem beim Fleisch kann der Preisunterschied aber drastisch sein. Doppelte oder gar dreifache Preise wie für konventionelle Ware sind da keine Seltenheit.

Anhand der hier aufgeführten Kriterien muss letztlich jeder selbst einscheiden, was ihm Bio-Brodukte wert sind. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass man auch den Bio-Trend kritisch unter die Lupe nehmen muss.

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